Entwicklung einer Ausstellung für die Sprachtherapie/Logopädie


Erster Kontakt- meine Anfänge

In meinem Leben, wie in so vielen Biografien der ostdeutschen Bevölkerung, spielt die ‚Wende‘ eine entscheidende Rolle. Vor der Wende wollte ich und sollte ich eine Lehrerin werden. Der Staat wünschte sich eine Lehrerin für Mathematik und Physik, ich liebäugelte mit Deutsch, Geschichte, Geographie und auch Sport. Mein Vater unterrichtete an der EOS (Gymnasium) Mathematik und Physik, meine Mutter war eine Lehrerin für Deutsch und Geographie und arbeitete über 30 Jahre an der Hochschule, der späteren Otto-von-Guericke-Universität.

Von 1989-1991 befand ich mich an der EOS, d.h. mein Abitur erwarb ich in einer Zeit, in der sich fast alles änderte. In dieser Wende habe ich die vielen arbeitslosen Lehrer*innen im Westen wahrgenommen und entschied mich daher für ein anderes Studienfach. Zufällig entdeckte ich im 2. Semester einen Aushang mit dem Namen ‚Sprachentwicklungsstörungen‘. Das klang für mich spannend und so bin ich dorthin marschiert. Diese Vorlesung hat mich sofort in ihren Bann gezogen und dieses Thema hat mich bis heute nicht losgelassen.

Allerdings besteht mein Hang zur Wissensvermittlung noch immer, und so freue ich mich über Referententätigkeiten und über die Betreuung von Praktikant*innen in meiner Praxis.


Mit Beginn meiner Tätigkeit als Sprachtherapeutin erfuhr ich sehr viel Wertschätzung. Die behandelten Kinder kamen sehr gern zu mir. Dies gipfelte in dem Satz, der laut im Wartezimmer von einem vierjährigen Mann verkündet wurde: 

„Frau Weber, ich liebe dich!!!“

Natürlich sehr zur Freude aller anderen wartenden Personen. Auch von den größeren und älteren Patienten wurde und werde ich für meine therapeutische Tätigkeit sehr geschätzt. Die Zusammenarbeit mit Ärzt*innen, Kindergärtnerinnen und Lehrer*innen war interessant, hilfreich und vor allem respektvoll.






Entwicklung einer Ausstellung

2013 las ich in einer Elternzeitschrift (die in meinem Wartezimmer lag!), dass Sprachtherapie mit Baby-Schwimmen gleichgesetzt wird. Ich war entsetzt, wütend, irritiert über die unwissende Journalistin und: Ich wusste: Ich will etwas gegen die Unwissenheit tun!

 

Offenbar hatte sich ein Bild über Logopädie/Sprachtherapie in der Öffentlichkeit entwickelt, dass oft mit der Realität nichts zu tun hatte.

Ich merkte: Aufklärung ist hier dringend nötig. Daher beschloss: Ich werde zeigen, was Sprachtherapie wirklich leistet und zwar anhand der persönlichen Geschichten unserer Patienten. Geschichten nicht nur erzählt durch Texte – sondern vor allem durch Fotos.


 

So entstand bei mir die Idee, Sprachtherapie zu visualisieren. Zusätzlich beobachtete ich, dass die von mir betreuten Patienten nicht oft oder teilweise gar nicht fotografiert werden. Auch dies wollte ich dringend ändern. Ich fragte die bezaubernde Fotografin Ricarda Braun, ob sie Lust auf dieses Projekt hätte. Ricarda begann die ersten Patienten zu fotografieren. In einer kleinen Pause sagte sie: „Beate, ich habe keine Ahnung, was Sprachtherapie ist. So was machst du? Das weiß keiner. Das muss du den Menschen erzählen!!!“

 

 


Diese ersten Fotografien stellte ich meinem Berufsverband, dem dbs im Februar 2015 in Köln vor. Die Landesvertreter und der Vorstand waren von den Bildern und meinen Geschichten begeistert. Aus dieser Begeisterung entstand die AG „Wertschätzung“. Gemeinsam mit meinen Kolleginnen Gabriele Finkbeiner, Judith Heide und Claudia Iven entwickelten wir das Format:

 

 

Die Ausstellung ‚Was Sprachtherapie kann‘


 

SPRACHTHERAPIE – ein Begriff, von dem jeder annimmt, ihn zu kennen.

 

Meine täglichen Erlebnisse mit den Patienten, die Erfolge, die Verbesserung der Lebensqualität zu beobachten, stehen in einer Disbalance zur Außendarstellung von Sprachtherapie. 

Ich setze mich dafür ein, dass die Gesellschaft versteht, was Sprachtherapie kann.

 

Sprachtherapie kann dafür sorgen, dass ein Säugling nicht mehr über die Sonde ernährt werden muss, sondern schon nach drei Monaten Schlucktherapie ein Viertel-Gläschen Brei essen kann.

 

 

 

Sprachtherapie heißt, dass sich ein stotterndes Kind traut, nach einem Jahr erfolgreicher Therapie  in der Schule ein Gedicht aufzusagen.

 

Sprachtherapie heißt, dass ein leiser und schwer verständlich sprechende Patient mit Parkinson nach kurzer Intensivtherapie wieder verständlich sprechen kann


 

Die dbs Ausstellung war bereits in sechs Bundesländern (Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Bayern, Brandenburg, Sachsen und Nordrhein-Westfalen).

Zu Beginn des Jahres 2018 waren die Bilder in Magdeburg im Landtag von Sachsen-Anhalt zu sehen. Darüber freue ich mich unglaublich. Ein Landtag war ein persönliches Ziel. Magdeburg ist meine Heimatstadt. Der Landtag befindet sich am Domplatz, gegenüber vom imposanten Magdeburger Dom in Nähe der Elbe. Diese Ausstellung war zwangsläufig mit vielen Emotionen für mich verbunden.


Die Begeisterungen über die Ausstellung ‚Was Sprachtherapie kann‘ waren und sind bundesweit gleich hoch. Das Echo und das Interesse, das ich seit 2015 erfahren habe, motivieren mich, weitere Ausstellungen zu organisieren. Diese vielen positiven Kritiken, die Leidenschaft, der Respekt und die Wertschätzung die ich vor Ort für meinen Beruf entfachen konnte, fühlen sich umwerfend gut an.

Am häufigsten war die Ausstellung in Sachsen-Anhalt zu betrachten. Ich vermute sehr stark, dass auch in den 10 Bundesländern, in denen die Bilder bisher nicht waren, Sprachtherapie für die betroffenen Menschen wichtig ist.

Daher ein kleiner, aber intensiver Aufruf von mir an dieser Stelle: Verfügen Sie über Kontakte zur Politik und/oder zu Medien, haben Sie Ideen für diese Ausstellung? Dann melden Sie sich bitte bei mir. Wir können jede Unterstützung gebrauchen.

Es besteht auch für Sie die Möglichkeit, Poster einiger Bilder und das Fotobuch dieser Ausstellung zu erwerben.

 

Ich bedanke mich bei Ricarda Braun, die durch ihre wunderbaren Fotographien diese Ausstellung erst ermöglicht hat, ich bedanke mich bei meinen Patienten, den Models, die mir die Erlaubnis erteilt haben, ihre Geschichten zu erzählen und ich bedanke mich bei meinem Berufsverband für die Unterstützung an diesem Projekt.